Presse

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12.11.2015, 00:01 Uhr | Tanja Mikulski - Nordwest-Zeitung
Asylbewerber gezielt ausbilden
Mehr als 100 Interessierte bei Infoveranstaltung in Ramsloh
Die aktuelle Flüchtlingssituation war Thema des Abends. Ein Ausbildungszentrum in Ramsloh ist geplant.
Informierten (v.l.): Dr. Michael Steenken, Hartmut Schnell, Neidhard Varnhorn und Christof Naber
Mehr als 100 Interessierte sind am Dienstagabend auf Einladung des CDU-Gemeindeverbands Saterland zur Informationsveranstaltung über die Flüchtlingssituation in den Saterländer Hof in Ramsloh gekommen. Nachdem Vorsitzender Dr. Michael Steenken alle begrüßt hatte, informierte Christof Naber, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales, über die Situation in der Gemeinde Saterland
 
Er bat die Bevölkerung um Mithilfe, unter anderem bei der Bereitstellung von Wohnraum und Kleiderspenden. Noch in der Planung sei ein Projekt von drei Bürgern, die mit Flüchtlingen Holzarbeiten durchführen möchten. Aktuell gebe es einen Fördertopf des Landes für Deutsch-Sprachkurse. Darüber sollen Asylbewerber intensiv die Sprache lernen. Hier hofft man auf ein möglichst ortsnahes Angebot. Denn die Sprachbarriere sei groß.
 
Neidhard Varnhorn vom Landkreis Cloppenburg teilte mit, dass die Verwaltung die Gemeinden und Städte bei der Unterbringung der Asylbewerber unterstützten wolle. Fünf Betonmodule seien in Fertigbauweise bestellt worden, in denen übergangsweise bis zu 70 Personen untergebracht werden können. Kosten: 5,3 Millionen Euro. Eine Folgenutzung sei möglich. Aktuell sollen mit den Gemeinden Standorte gefunden werden. Ein Projekt von der Kreishandwerkerschaft kündigte Steenken an. Geplant sei, eine Gewerbehalle in Ramsloh für arbeitswillige Zugereiste zu einem Ausbildungszentrum umzubauen, unter anderem für Straßenbau. Hier will man Fördergelder beantragen. Solch ein Angebot habe es bereits in den 90er Jahren für Übersiedler gegeben.
Auch ging Steenken auf die Flüchtlingssituation auf Bundesebene ein.
 
Hartmut Schnell vom Gemeindekirchenrat der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Idafehn und der Steuerungsgruppe des Christlichen Willkommenskreises stellte das Café International vor. Als bestes Beispiel für Integration nannte er Familie Ahmetovic aus Bosnien. Sascha Ahmetovic hilft als Übersetzer in dem Café.
 
Auch viele Fragen mussten die Redner beantworten. Unter anderem dazu, wie die Rückführung der Flüchtlinge nach Ablehnung des Asylantrags ablaufe und ob Vermieter Einfluss auf die Zahl der Personen haben, die untergebracht werden. Steenken sagte, dass man sich kurzfristig auf eine größere Anzahl von Flüchtlingen vorbereiten müsse. „Diese Masse hat kein Mensch erwartet.“ Seiner Meinung nach habe der zentrale Fehler darin gelegen, dass die Weltgemeinschaft nicht erkannt hatte, was mit den Flüchtlingen passiert, wenn sie in ihrer Heimat nicht vernünftig versorgt werden.
 
Theo Schmidt (CDU) sprach das Dorfgemeinschaftshaus Neuscharrel an. In diesem ist – wie berichtet – geplant, eine Notunterkunft einzurichten. Eine gewisse Wut würde sich bei Bürgern aufbauen. Varnhorn sagte, dass er nur aus der Zeitung von den Plänen gehört habe. Bisher sei es im Kreis noch nicht der Fall, dass Turnhallen oder Ähnliches hätten umfunktioniert werden müssen.
 
Viel Lob gab es von den Rednern für alle ehrenamtlichen Helfer.


Aktuelle Zahlen
 
Insgesamt wurden dem Kreis Cloppenburg in diesem Jahr 1205 Asylbewerber/Flüchtlinge zugeteilt. Bis Ende Januar 2016 muss er 1017 Personen unterbringen. 308 davon sind bereits zugewiesen. Noch können sie dezentral in den Gemeinden untergebracht werden. Zudem erwartet der Kreis 60 Minderjährige, die ohne Familie eingereist sind. Für sie werden Pflegeltern gesucht.
 
Aktuell leben im Saterland 112 Asylbewerber. Der Großteil kommt aus Serbien (38 Personen). Alle konnten dezentral in 25 Wohnungen untergebracht werden. Die Gemeinde muss bis Ende Januar 2016 81 neue Asylbewerber aufnehmen. Hiervon sind bereits 34 angekommen.

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